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Kinderbuch der Woche: Das schlaflose Buch

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse.

Zum Philosophieren und Denkeln über die Welt und das Leben

Da liegt ein Mädchen – es könnte auch ein Junge mit längeren Haaren sein – im Bett und kann nicht einschlafen. Sie trinkt ein Glas Wasser und staunt, dass der Mensch und die Erde zu großen Teilen aus Wasser besteht. Und darüber, dass das Meer fast noch völlig unerforscht ist. Vom Meer kommt sie zu Walen, ihrer Größe und wie sie schlafen und in weiteren Assoziationen über die Größe von Zunge und Herz zum VW-Käfer und zu Käfern im Allgemeinen. Dieses vor sich hin Denkeln führt zu Bildern, auf denen die Betrachter das fast eingeschlafene Kind im Bett auf dem Meer treibend sehen oder einfach eine Seite voller Käfer. Das lesende Kind oder der vorlesende Erwachsene können der Spur der Assoziationen über Reichtum und Glück oder über das Alter und die Liebe folgen. Oder wie mag es wohl in den 40 Wochen im Bauch der Mutter gewesen sein?
Das Buch von Moni Port ist eines zum miteinander Reden und Denkeln und Philosophieren in dieser kurzen Phase vor dem Einschlafen, die Schlaflosen so lang erscheint und die doch so schnell vorbei sein kann. Illustriert ist es mit Fotos und Zeichnungen, Skulpturen und Gegenständen, die dem Kind am Tag oder auch viel früher begegnet sind und die jetzt wieder in Erinnerung gerufen werden.
Kinder und Erwachsene können die Gedanken schweifen lassen, sich vielleicht die eine oder andere eigene Assoziation erzählen, selbst ins Träumen kommen.
Ein Buch, um gemeinsam eine Weile über Gott und die Welt zu philosophieren – bis das Licht ausgeht und der Schlaf kommt.

Kinderbuch der Woche: Ausreißen und heimkommen

Es ist ein großes Glück, wenn man einen guten Freund wie Berkan hat, der in der Nähe wohnt und in der Schule neben einem sitzt. Es ist ein großes Unglück, wenn man wegziehen soll, weil das Haus angeblich zu klein geworden ist. Als würden Häuser schrumpfen! Das sieht Hendrik nicht ein. Er zieht nicht um. Basta!
Weil keiner ihn versteht, packt er den Koffer und haut ab. Er will zu Berkan. Aber der hat Stress mit seinem Vater, weil er das große Bett künftig nicht mit seiner offenbar dementen Uroma teilen will. Also packt er ein paar Sachen in Hendriks Koffer, und beide ziehen mit dem sperrigen Gepäckstück los.
Doch Abhauen erweist sich als schwierig. Die Jungen kennen sich nicht aus und wissen nicht, wohin. Sie bekommen Hunger und Durst. Und sie haben kein Geld. Aber schlau sind sie schon. Sie sehen Kinder mit Instrumenten zum „Aperitif Konzert“ strömen und stellen sich vor, dass es dort Aperitif-Häppchen geben wird. Doch vor dem Essen kommt das Konzert. Berkan ist von der Musik völlig fasziniert, während Hendrik ungeduldig und nervös wird. Tatsächlich gibt es hinterher Brötchen. Weil die Jungen jetzt schon geübte Ausreißer sind, sorgen sie vor und stecken sich ein paar Brötchen in die Tasche.
Schließlich landen sie in einer Gegend, die ihnen fremd ist. Da sehen sie ein singendes Mädchen auf einer Kirchentreppe. Berkan kennt das Lied und spricht das Mädchen auf Türkisch an. Es stellt sich heraus, dass Pia aus einer kurdischen Familie stammt, die wegen des Krieges aus dem Irak floh und in die Türkei gelangte. Dort wollte man keine Kurden. Und in Belgien, wo die Geschichte spielt, darf die Familie auch nicht bleiben. Mit anderen Flüchtlingen lebt sie nun in der Kirche. Berkan muss alles übersetzen, was Pia erzählt. Auch dass ihr Vater und andere Männer in der Kirche nichts mehr essen. Sie wollen hungern, bis sie Papiere bekommen und bleiben dürfen.
Die Jungen verstehen das mit den Papieren nicht recht. Pia sagt, sie brauchen Papiere und eine Wohnung, sonst müssen sie zurück – dahin, wo sie auch niemand will. Da fällt Hendrik ein, dass er ein Haus zu viel hat: das neue, größere Haus, in das seine Familie ziehen will. Er aber nicht. Also bietet er es Pia an.
Zu dritt machen die Kinder sich auf den Weg, können das Haus aber nicht finden. Unterwegs erleben sie Abenteuer: von der Rettung eines kleinen Hundes bis zur freundlichen Hilfe eines Taxifahrers. Schließlich finden sie das Haus doch. Aber es ist nicht leer. Hendriks Vater hat mit dem Umzug schon angefangen. Die drei heimlichen Beobachter sehen, wie er telefoniert und davonstürmt, weil inzwischen eine Fahndung nach den Kindern läuft.
Mit Hilfe der Polizei kommen Eltern und Kinder wieder zusammen. Hendrik wird der Umzug durch das Versprechen erleichtert, dass er in seiner alten Schule und bei Berkan bleiben darf. Ob Pias Familie geholfen wird, bleibt offen. Auch Berkans Problem bleibt ungelöst. Pia tröstet es, dass sie das Hündchen behalten darf. Berkan ist froh, dass ihn die Mutter vor dem Zorn des Vaters bewahrt. Alle drei scheinen ein wenig Zuversicht gewonnen zu haben.
Die berührende Geschichte bleibt ganz auf der Ebene der Kinder. Sieben- oder Achtjährige können sie selbst lesen; sie eignet sich aber auch zum Vorlesen in Gruppen und Klassen. Marian de Smet trifft einen Ton, der Kindern Mut macht, und bewahrt eine hoffnungsvolle Leichtigkeit des Seins. Ich empfehle das Buch allen Bibliotheken, in die Kinder kommen, besonders auch die in den Schulen, und allen Erwachsenen zum Verschenken. Mein Tipp: Unbedingt selbst lesen, bevor man es weitergibt.

Kinderbuch der Woche: Gastfreundschaft

„Ein Sturm zieht auf, ein Sturm zieht auf!“ Die Waldbewohner verrammeln ihre Häuser, gefüllt mit Vorräten, Wärme und Licht. Sie machen es sich gemütlich. Da kommen Großer Bruder Bär und sein kleiner Bruder. Misstrauisch aus Gucklöchern beäugt, bitten sie höflich um Einlass. Ihnen ist kalt, sie haben Hunger, und sie haben Angst im Dunkeln. Aber niemand lässt sie ein. „Der Platz reicht schon für uns kaum aus. Geht weiter bis zum nächsten Haus.“ Nur Kleiner Fuchs läuft ihnen nach und bringt ihnen eine Laterne.
Abgewiesen landen sie auf einem eisigen Hügel. Doch sie haben Glück: Es beginnt zu schneien. Wie man aus Schnee Höhlen baut, das wissen die Bären. Als Familie Fuchs aus ihrer zusammenbrechenden Höhle fliehen muss, findet sie bei ihnen Unterschlupf.

„In einer Nacht ohne Ende
Und ohne Mondenschein
Öffneten zwei Fremde
Ihr notdürftiges Heim.“

Die kleine Geschichte wird in lyrisch-rhythmischer Sprache erzählt, in Reimen, die die Suche beschreiben. Tiere als handelnde Personen – das Buch könnte schon 100 Jahre alt sein. Trotzdem oder gerade deswegen bringt es das Thema „Gastfreundschaft“ bezaubernd auf den Punkt, das für viele Gemeinschaften überlebenswichtig war und ist. Mit lebhaftem Strich, ausdrucksstarken Figuren und einer Sprache, die sich fast von allein vorliest, überzeugte das Buch auch Gabriela Wenke.

Kinderbuch der Woche: Über die Freundschaft

Freundschaft, Liebe und der Unterschied

Ein Sommer auf einer griechischen Insel und drei ältere Kinder, die erleben, wie Freundschaften entstehen und wie Grenzen verschwimmen. Was ist noch Freundschaft, was schon Liebe? Worin besteht der Unterschied? Was darf man und was nicht?
Jakob (12) besucht nach Jahren seinen griechischen Vater auf dessen Heimatinsel, während seine niederländische Mutter mit dem neuen Freund Urlaub macht. Obwohl Jakob weder etwas mit seinem Vater und dessen Restaurant noch mit dem Dorf zu tun haben will, lockt der beharrliche Strahlemann Micha (13) ihn aus dem Haus. So beginnt eine traumhafte Ferienzeit am Meer und in dem kleinen Ort, in dem Jakob die – völlig vergessenen – ersten Jahre seines Lebens verbrachte. Aber Micha erinnert sich gut! Auch er ist eine griechisch-niederländische Mischung, aber sein niederländischer Vater blieb auf der Insel. Bald kommt es den beiden Jungen vor, als wären sie schon ewig und für immer Freunde.
Michas Freundin Puck wird die Ferien ebenfalls wieder auf der Insel verbringen. Sie ist so alt wie er, und für beide ist es die erste Liebe. Als Puck mit ihren Eltern aus den Niederlanden anreist, stimmt die Chemie zwischen allen drei Kindern, und sie träumen davon, dass sie später als Erwachsene zu dritt zusammenleben. Doch das Gleichgewicht auf der schmalen Kante zwischen Freundschaft und Verliebt-Sein ist fragil. Schon ein Moment verbotener Zweisamkeit zwischen Jakob und Puck kann es zerstören.
Die Erlebnisse mit Micha und Puck lassen Jakob über andere Liebesgeschichten nachdenken. Über die seiner Mutter und seines Vater zum Beispiel, die auf dieser Insel einige Jahre zusammenlebten, über Michas Eltern und über die junge Frau, die seinem Vater im Restaurant hilft. Plötzlich ändert sich sein Blick auf die Menschen in seiner Umgebung, und er kann seine Gefühle für den Vater endlich zulassen.
Gideon Samson hat für die ungewöhnliche und überzeugende Geschichte über Freundschaft und Liebe zwischen Heranwachsenden genau die richtigen Worte gefunden. Wunderbare Bilder vom Sternenhimmel und der nächtlichen Landschaft ziehen Leserinnen und Leser in den Bann großer Gefühle. Unbedingt lesen und lesen lassen, findet Gabriela Wenke.

Kinderbuch der Woche: 100 Gedichte für Kinder

 

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

Gedichte sind ja eher nicht praktisch, sondern poetisch. Aber das Buch „Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht“ mit 100 neuen Gedichten deutschsprachiger Autorinnen und Autoren ist sehr praktisch: Knallrot, so dass man es nicht übersehen und immer wiederfinden kann. Ein bisschen elastisch und nicht zu groß, so dass es in einen kleinen Rucksack passt, zum Mitnehmen und Rumtragen. Auf diese Weise hat man immer ein Gedicht zur Hand. Eins von Jutta Richter geht so:

Der Traum

Ich träumte einen schlimmen Traum
Und träumte ganz allein
Ich war in einem fremden Raum
Da wollte ich nicht sein
Ich wollte rufen und blieb stumm
Ich hatte die Stimme verloren
Im Zimmer krochen Spinnen herum
Mit großen Segelohren
Da endlich bin ich aufgewacht
Zu dir ins Bett gekrochen
Du hast im Schlaf mir Platz gemacht
Es hat nach dir gerochen
Ich rücke nah an dich heran
Bin sicher hier und warm
Ich weiß, dass ich jetzt schlafen kann

Uwe Gutzschhahn, der nicht nur für sein Lebenswerk als Übersetzer den Deutschen Jugendliteratur Preis erhalten hat, sondern Autor und insbesondere Lyriker ist, hat die 100 neuen Kindergedichte gesammelt, in denen viel Humor, Witz und Schabernack zu finden ist. Das sollte Erwachsene ermutigen, auch mal ein Gedicht vorzutragen. Wenn sie das oft genug tun, können die Kinder schon etliche auswendig, bevor sie lesen können.
Viele Namen kennt man aus Kinder- und Bilderbüchern, zum Beispiel Jutta Richter, Michael Rohrer, Franz Wittkamp, Franz Hohler, Paul Maar, Arne Rautenberg. Und mit 100 Gedichten kann man 20 Schulwochen Tag für Tag bestücken – a poem a day, keeps the Nachhilfelehrer away –, bis jedes Kind selbst so dichten kann wie Gerhard Rühm:

verunglücktes abzählgedicht

eins
zwei
drei
vier
fünf
sechs
sieben
acht
neun
zehen
eine fehlt

Die restlichen 98 Gedichte möge sich die geneigte Leserin, der amüsierte Leser selbst anschauen – nebst der wagemutig-farbenfrohen Bilder von Sabine Kranz.
100 Gedichte sind ein guter Beginn für ein poetisches 2019!

Kinderbuch der Woche: Andersrum?

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

Andersrum?

Kinder beschäftigen sich ja nur noch – wisch und weg – mit ihren Smartphones oder Handys. Aber Juri hält Frau Asperilla stolz ein nett verpacktes Geschenk vor die Nase, um es ihr zu zeigen. Sie grabscht sofort danach, reißt die Verpackung ab und stellt enttäuscht fest: „Oje, ein Buch!“ Doch Juri will es trotzdem mit ihr anschauen. Frau Asperilla nimmt das Buch in beide Hände, wartet, dass etwas passiert, und wundert sich, dass es keinen Ton von sich gibt. Geduldig erklärt Juri ihr, dass man das Buch vorlesen muss, Seite für Seite. Das findet Frau Asperilla sonderbar: Man hört nicht, wenn es klopft. Man hat keine Auswahl, wie es weitergehen soll. Man ist dem Buch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, auch wenn die Maus das Monster frisst. Statt umgekehrt.

Genervt greift Juri schließlich selbst zu dem Buch. Zwar kann er noch nicht lesen, doch die Geschichte erschließt er sich von Bild zu Bild: Wie die furchtlose Maus das Ungeheuer frisst, das sie nicht ins Haus lassen will, und wie sie den dreiköpfigen Drachen besiegt, der sie fressen will.

All das passiert nur, weil die Maus am Morgen die falsche Abzweigung erwischt hatte und nach links statt nach rechts gegangen war. Am nächsten Tag landet sie endlich bei sich zu Hause. Als sie der Familie erzählt, dass sie falsch abgebogen war, müssen die Mäusekinder lachen, denn das Haus der Familie liegt – von der Maus aus betrachtet – links. Da stellt die Maus fest: „Das kommt darauf an, von welcher Seite man es anschaut.“

Es geht also um ein Verwirrspiel übers richtige Hinschauen und Entscheiden. Und es geht um die Perspektive, die jemand einnimmt: als Maus, als Kind, als Erwachsener. Mit einem Buch oder mit einem Smartphone. Das merkt auch Juri. „Ja: Andersrum ist´s andersrum.“

Mit ihrem krakelig wirkenden, vereinfachenden Stil betont Miriam Zedelius die Komik der verschachtelten Geschichte, die Kinder wie Erwachsene mit der Frage zurücklässt: Ja, wie rum ist es denn nun richtig? Diesen hintersinnigen Spaß in Wort und Bild empfiehlt

Was hat 2018 mit uns gemacht?

Es ist Dezember und wir räumen auf. Puhhh. Geschafft!
Beim Durchsieben der  Unterlagen lassen wir das alte Jahr Revue passieren…

Wir waren 2018 viel unterwegs mit und zu Euch: Ausstellungen, Workshops, Festivals in Hannover, Stuttgart, Weimar, Bologna, Reggio Emilia, Bad Mergentheim, Ichenhausen, Berlin, Düsseldorf, Norderstedt, Nahe, Blossin, Hamburg, Glinde, Freiburg, München, Leverkusen, Sizilien, Kiew, Amsterdam, Riga, Köln …

Wir entscheiden gerade noch, welche unsere Lieblingsbilder sind. Ab 18. Januar findet Ihr hier die Galerie aus 2018.

Danke an alle, die es möglich gemacht haben.

Und was hat 2018 mit Dir gemacht? Was wünschst Du Dir für 2019?

Wir starten eine Umfrage und schicken Euch alle Antworten im Januar 2019. Klickt hier.

 

 

Jetzt aber! #wamiki 5/2018

Langsam reißt der Geduldsfaden!

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hörst Du das? „Ha, ha! Da erscheint das Heft Wochen zu spät – und dann ist das Thema ausgerechnet Langsamkeit!“ Wer das sagt? Nicht wir aus der Redaktion, sondern unser Innerer Leser. Das ist der, den wir im Kopf haben, wenn wir schreiben, der schon beim ersten Satz manchmal stöhnt: „Langweilig!“, und der an jedem Heft etwas auszusetzen hat: „Kenne ich schon!“, „Ist doch praxisfern!“ Nur selten nickt er mal zufrieden.

Du kennst ihn vermutlich nicht, liebe Leserin, lieber Leser. Aber bestimmt kennst Du seine Verwandten, die Inneren Eltern, die sich selbst über noch ungeschriebene Aushänge mokieren. Und das Innere Kind, das sogar ungeplante Angebote doof findet. Oder diese furchtbare Innere Hygieneaufsicht…

Genug davon. Der Innere Leser will wieder zu Wort kommen. Ähem, Entschuldigung: die Innere Leserin. Auch das noch, ein Gender-Fehler!

„Vermutlich geht es in diesem Heft darum, dass Langsam-Sein in unserer immer hektischer werdenden Zeit ganz toll ist.“ Richtig, Innerer Leser! „Und dass Kinder wie Erwachsene sich danach sehnen, dass der Druck aus dem Bildungssystem endlich rausgenommen wird.“ Ja, genau! „Und dass es gut ist, einfach mal zu verharren und an einer Blume zu schnuppern…“ Entschuldigung, wir sind doch nicht das Flow-Magazin! „Ja, aber die sind wenigstens pünktlich. Übrigens bin ich auch sehr für Langsamkeit. Allerdings nicht bei einer Redaktion, die das Thema vorschiebt, weil sie den Herausgabetermin vertrödelt hat!“

Dürfen wir dazu auch mal was sagen? „Nicht nötig, ich weiß eh, was kommt. Dass Ideen manchmal reifen müssen, dass ihr ständig drei Sachen auf einmal angeht, Bücher und Ausstellungen und Filme – und plötzlich ist die Zeit weg.“ Stimmt! Woher weißt Du das?

„Und dann sagt ihr kleinlaut, dass wir das ja auch kennen. Dass alle Pädagogen immer über Zeitnot klagen. Dabei will ich einfach nur meine bestellte und bezahlte Zeitschrift lesen! Und zwar jetzt!!!“

Aber hier ist sie doch, liebe Leserin, lieber Leser. Direkt vor Deiner Nase. Im Paket mit Heft 6, der 96 seitigen Spezialausgabe: „Neues aus Pädagogien“* und dem druckfrischen 160 seitigen Verlagsprogramm für 2019. Entschuldige bitte, dass es so lange gedauert hat. Im nächsten Jahr kommen die Hefte pünktlich. „Ja, ja. Wer’s glaubt, wird selig…“

Okay, das musste mal gesagt werden. Nun aber Schluss damit!

Langsamen, dafür intensiven Lesegenuss, vielleicht sogar nachhaltige Erkenntnisse und vor allem ein wunderbares 2019 wünschen

Deine wamikis

Kinderbuch der Woche: Wolf, Ente und Maus

Eine kurze Geschichte für kluge Kinder und Philosophen

Eines Morgens trifft eine Maus einen Wolf, der sie frisst. Damit ist die Geschichte jedoch nicht beendet, denn der Wolf hat die Maus lebend verschlungen.

Mit ihrem lauten Klagen stört die Maus eine Mitbewohnerin im Wolfsbauch, nämlich die Ente, die schlafen will. Weil die Maus erklärt, es sei draußen Morgen, bietet die Ente erst einmal Frühstück an: gedeckter Tisch, Stühle, Tischtuch, Marmelade. „Du wirst dich wundern, was man in einem Wolf so alles finden kann“, sagt die Maus zufrieden und erzählt, sie habe draußen immer Angst gehabt, von einem Wolf gefressen zu werden. Die Sorge habe sie nun nicht mehr. Das überzeugt die Maus. Höflich fragt sie, ob sie bleiben darf. Klar – und das feiern die beiden mit Wein und Leckereien, so dass dem Wolf ganz schlecht wird. Das lockt einen Jäger an, doch der schießt daneben. Aber der arme Wolf ist so fertig, dass er nicht fliehen kann. Aus seinem Maul blasen Maus und Ente zur Attacke und vertreiben den Jäger. Der dankbare Wolf will sich bei den beiden revanchieren: Sie haben einen Wunsch frei. Natürlich wünschen sie sich, im Wolfsbauch wohnen bleiben zu dürfen. Seitdem heult der Wolf nachts immer den Mond an.

Seit Jona im Bauch des Wals gelandet war, hat sich niemand jemals Gedanken darüber gemacht, wie es dem Wal damit erging. Zwar waren die Größenverhältnisse anders – doch Jona war schon ein großer Brocken für jemanden, der sonst nur Krill frisst. Aber das ist eine andere Geschichte…

Die Geschichte „Der Wolf, die Ente und die Maus“ ist vorwiegend in Brauntönen mit gebrochenem Weiß gehalten. Ein wenig Rot, Orange und Grün gibt es nur im Bauch des Wolfes. Jon Klassen braucht nicht viele Farben und auch nur wenige, sehr abstrahierende Bilder, um die Geschichten zu erzählen. Trotzdem verstehen Große und Kleine sie auf wunderbare Weise.

 

Das Kinderbuch der Woche: Spielwörter und Wörterspiele

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

 

Schon im Vorwort sagt Christoph Niemann, dass Zeichnen und Schreiben für ihn eng verbunden sind. Das macht den Witz der 352 Seiten voller Wörter und Zeichnungen aus. Auf Seite 9 steht nur das Wörtchen „ich“. Darüber ein äußerst reduziertes, lächelndes Gesicht, das sich in einem Rechteck spiegelt.

Manche Zeichnungen stehen allein auf einer Seite. Zum Beispiel ein Mann. Auf der Seite gegenüber ist ein Junge zu sehen, in der gleichen Kleidung wie der Mann, aber sie ist dem Jungen viel zu groß. So interpretiert und deutet Christoph Niemann das Wort „Mann“.

Es macht Spaß, das dicke Buch durchzublättern, wenn man schon lesen und sich Seite für Seite den Zusammenhang zwischen Wort und Bild erschließen kann. Liest jemand die Wörter vor, können jüngere Kinder die Zusammenhänge beim Blättern leicht entschlüsseln und ganz nebenbei sogar ein wenig Lesen lernen: Bilder und Wörter lesen.

Je nach Temperament und Sprachgefühl werden Kinder, die die Geduld haben, verlockt, sich dicke Wälzer wirklich anzuschauen, und finden jede Menge Ideen zu Zeichnungen und Wörtern. Wer weiß, worauf sie dabei kommen…

 

Das Kinderbuch der Woche: Baby in See-Not

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

Die Geschichte vom Baby, das aus großer Gefahr gerettet wird, spielt in alten Zeiten, als an menschenleeren Stränden Jungen in langen Badeanzügen Drachen fliegen ließen. Strandhäuschen aus Stoff standen im Sand, an der Uferpromenade bildeten weiße Villen den Hintergrund – wie auf alten Postkarten.
Niemand merkt, dass ein hochrädriger Kinderwagen ins Rollen kommt. Strandhäuschen und Liegestühle sind verlassen; die Jungen laufen dem Drachen hinterher. Das Baby in seinem Wagen haben sie vergessen.
Da rollt der Wagen ins Meer und wird von den Wellen erfasst. Das Baby findet das ebenso lustig und wie die Lieblingsspielsachen, die mit an Bord sind. Sie geben dem Baby das Fläschchen.
Doch der Wind wird immer stärker! Panda und Puppe passen auf das Baby auf, der alte Hase ist seekrank. Das Meer braust, ein Sturm zieht auf. Verzweifelt versuchen Puppe, Panda und Hase, den Wagen über Wasser zu halten. Nach dem Sturm beruhigen sie sich, lassen sich trocknen, spielen und essen.
Als es Abend wird, nimmt der Wagen wieder Fahrt auf. Ein riesiger Fisch zieht ihn zum mondbeschienenen Strand. Panda und Hase trommeln alle Spielsachen des kleinen Badeortes zusammen, die den Kinderwagen mit vereinten Kräften in Sicherheit bringen.
Endlich stürmen Menschen mit Taschenlampen herbei. Unbemerkt stehen die Spielsachen in dunklen Ecken und schauen dem Treiben zu.
Wogende Wellen, lebhaft bewegte Kinder und Spielsachen in klaren Farben machen diese aufregende Geschichte zu einem bunten Abenteuer, das gut endet und wirkt, als wäre es vor 100 Jahren gemalt worden.