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Neu im Shop: ABC Photography

Der Fotograf Jan von Holleben, bekannt vor allem durch seine erfolgreichen fotografischen Kinderbücher, hat mit seinem Bruder Marius einen eigenen Kinderbuchverlag gegründet. Das erste Buch, „ABC Photography“, ist soeben bei TARZIPAN BOOKS erschienen. Continue reading „Neu im Shop: ABC Photography“

Kalender: Dein Jahr auf den Punkt gebracht

Hurra, da ist er wieder – sein Vorgänger avancierte im letzten Jahr zu einem regelrechten Verkaufsschlager in unserem Shop: der Kalender 2017 zum Planen von kleinen Freuden und zum Sammeln von großen Erinnerungen. Tage am Meer, Termine, Lottogewinne, Herzenssprünge, zufällige Begegnungen, überwundene Schweinehunde und alle sonstigen geplanten und ungeplanten Höhepunkte des Jahres können im Kalender farbig markiert und festgehalten werden. Je nach Wahl auf Schwarz oder Weiß. Dafür gibt es je 150 Klebepunkte in vier leuchtenden Farben, die vier individuell definierbaren Kategorien zugeordnet werden können.
Für Spaß und farbenfrohe Tage!

Hier geht’s zum Kalender.

 

Designt wurde der Kalender von BOB AND UNCLE, einem Berliner Label, das sich mit großer Hingabe der Gestaltung von Papierprodukten verschrieben hat. BOB AND UNCLE liebt das Analoge, den Geruch von Farbe auf Papier und gutes Wetter. In diesem Sinne arbeitet BOB AND UNCLE mit Feuereifer daran, den Produkten jede Menge Entschleunigungspotential, Sinnesvielfalt und Klarheit mitzugeben.

Die AfD und die sogenannte Frühsexualisierung

Die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen Anhalt hat in der vorigen Woche mit der „Magdeburger Erklärung“ ein Papier zur sogenannten „Frühsexualisierung“ veröffentlicht , in denen so Sätze stehen wie: „Unter Familie verstehen wir die Verbindung aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen. Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Sie garantiert den Erhalt unseres Volkes, unseres Staates und unserer Nation.“ Oder „In unseren Kindern leben Familie, Volk und Nation fort.“

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Natürlich ist die Familie und ihr Zusammenhalt wichtig und schützenswert, aber warum nur diejenige, die Volk und Nation erhält? Warum nur Mann und Frau und Kind? Warum nicht Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Familien mit Migrationshintergrund, gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern? Das erinnert mich irgendwie  an dunkelste Zeiten unserer Geschichte, an Mutterverdienstkreuze, „Familie als Träger höchster Rassenreinheit“ u.ä. Mit unserer Wirklichkeit hat das nur sehr wenig zu tun.

Schutz vor „Frühsexualisierung“ gegen Akzeptanz von Vielfalt

Dazu meint die AfD, Kinder müssten vor „Frühsexualisierung“ geschützt werden. Schulunterricht müsse  die Botschaft vermitteln, dass „nicht Triebbefriedigung, sondern eine intakte Familie primäres Lebensziel sein sollte“. Und Kinder müssten vor allen Versuchen geschützt werden, „andere Formen des Zusammenlebens und Sexualverhaltens gleichwertig neben Ehe und Familie zu stellen“ und in diesem Zusammenhang  mit „scham- und persönlichkeitsverletzenden Inhalten in Wort, Bild und Ton konfrontiert (zu) werden“.

Das Ziel ist klar: Es geht gegen andere Formen der Lebensweise, des Zusammenlebens, der Sexualität, es geht gegen Vielfalt, die für die AfD eine Bedrohung darzustellen scheint. Es geht, wenn auch ungenannt, ganz konkret um den „Kita-Koffer“.  Das ist eine in Rheinland-Pfalz entwickelte pädagogische Materialiensammlung, die vielfältige Lebensrealitäten widerspiegelt. Das Material des Koffers soll Fachkräfte bei der Erziehung zur Akzeptanz von Vielfalt unterstützen, wichtiger Teil des Bildungsauftrags in frühkindlichen Bildungseinrichtungen.

Stefan Niggemeiers Kommentar zur „Magdeburger Erklärung“

Heute las ich die sehr klare und Position beziehende Analyse von Stefan Niggemeier zur „Magdeburger Erklärung“ und stimme ihm zu. Es braucht nicht nur starke Gegenerzählungen, sondern auch eine klare Positionierung für Vielfalt und Toleranz.  Denn es ist, wie Niggemeier schreibt, „ eine starke Erzählung, die die AfD da verbreitet. In ihrem Kampfbegriff von der „Frühsexualisierung“, der von ihren politischen Verbündeten gezielt gestreut, aber auch von den Medien immer weiter verbreitet wird, steckt eine sehr wirkungsvolle Diffamierung: Es schwingt der Missbrauch von Kindern mit, eine Vergewaltigung im Namen einer verrückt gewordenen Ideologie.“

Wir vom Verlag Was mit Kindern finden, dass wir alle, die wir für eine Bildung und Erziehung auf der Basis von Toleranz und Akzeptanz einstehen, klar und deutlich solchen Vereinseitigungen entgegentreten und aktiv für unsere Werte eintreten müssen. Modernen Bildungskonzepten geht es mitnichten um die „Vergewaltigung von Kinderseelen“, stattdessen aber stets darum, Kindern alle Möglichkeiten zu bieten, ihre eigene Identität und Persönlichkeit zu finden und zu entwickeln. Unabhängig davon, in welche Familienform sie hineingeboren wurden.

 

 

 

 

Dem Regen auf der Spur mit Salman Ansari

Text und Fotos: Helmut Richter

Was ist denn heute draußen los?
Ein ganz normaler Morgen? Nein, denn sechs Kinder aus der Lila-Gruppe versammeln sich im Besprechungsraum der Offenbacher Kita 16, ohne zu wissen, dass dort ein Gast auf sie wartet. Es ist Salman Ansari.

 

Der Gast stellt sich höflich vor, und während die Kinder sich mit ihm bekannt machen, schauen sie immer wieder neugierig auf den Tisch, auf dem Gläser, Becher und Schalen stehen.

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Salman Ansari fragt: „Was ist denn heute draußen los?“
Die Kinder wundern sich, denn draußen ist nichts los. Keiner spielt im Garten.

Da will Salman Ansari wissen: „Scheint denn heute die Sonne?“
Nein, es ist trübe. Aber das sieht der Mann doch selbst, denken die Kinder wahrscheinlich.

„Regnet es?“ Ja, ein bisschen.
„Und was fällt da vom Himmel?“ Na, Wasser! Und ein paar Blätter.
„Ist Regen Wasser?“ Einige Kinder sagen: „Ja.“ Andere sagen: „Nein.“
„Wie klingt der Regen, wenn er aufs Dach fällt?“ Kinderfinger trommeln auf dem Tisch.
„Was macht der Regen noch für Geräusche?“ Er plätschert, er pladdert…
„Ist es draußen nass?“ Ja, klar!
„Was ist nass?“ Die Kinder schauen einander an.
Tja, was ist eigentlich nass? Um das herauszufinden, gehen sie mit Salman Ansari in den Garten. Doch es hat inzwischen aufgehört zu nieseln.

„Wo ist denn der Regen, wenn er nicht vom Himmel fällt?“
Die Kinder schauen nach oben. Irgendwo muss der Regen doch abgeblieben sein. Immerhin ist etwas von ihm übrig. Die Pfützen zum Beispiel. Und die Tropfen auf den Blättern an Bäumen und Büschen. In Bechern sammeln die Kinder Regenreste und pflücken ein paar nasse Zweige.

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Salman Ansaris nächste Frage teilt die Gruppe in zwei Lager:
„Ist der Regen auch im Sandkasten?“
Die einen sagen: „Ja, denn der Sand ist nass.“ Die anderen sagen: „Nein, denn auf dem Sand sind keine Tropfen.“

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Wieder im Haus, fragt Salman Ansari: „Wie kann man den Pflanzen das Wasser zurückgeben?“
Ein Kind macht es vor: Mit dem Finger gibt es tropfenweise Wasser auf ein Blatt.

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„Und wie kann man Wasser aus dem Becher in die Schale füllen, ohne es hineinschütten zu müssen?“
Klar, man transportiert es tropfenweise mit dem Finger.

„Aber was passiert, wenn man ein, zwei, drei Tropfen übereinander in die Schale plumpsen lässt?“
Die Kinder probieren es aus und staunen: „Guck mal, der Tropfen wird größer und dicker!“

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„Das passiert auch, wenn Regentropfen von den Blättern der Bäume fallen“, sagt Salman Ansari.
„Und wenn es sehr viele sind, machen sie Wellen“, sagt ein Kind. Sofort wird das ausprobiert, bis kleine Wellen in der Schale entstehen.

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„Kann man das Wasser in der Schale bewegen, ohne den Finger oder einen Gegenstand zum Rühren zu benutzen?“
Ein Kind hat eine Idee: „Man kann die Schale so hin und her bewegen.“
Ein anderes sagt: „Man kann vorsichtig auf das Wasser klopfen oder drauf pusten.“

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Beim Demonstrieren dieser Möglichkeiten haben die Kinder ein wenig Wasser verschüttet und es mit einem Tuch aufgewischt.

„Wie kann man das Tuch wieder trocknen?“ fragt Salman Ansari.
„Man kann es auf die Heizung legen“, sagt ein Kind. „Man kann es auch mit so einem Ding trocknen, das man für die Haare nimmt“, sagt ein anderes und meint einen Fön.

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Wie im Fluge ist die Zeit vergangen. Der Gast verabschiedet sich und kündigt an, bald wiederzukommen. Schon sonderbar, finden die Kinder, dass ein Erwachsener nur Fragen stellt. Aber wir haben alles gewusst!

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Helmut Richter ist Erzieher in der Offenbacher Kita 16.
Dr. Salman Ansari ist Chemiker mit pädagogischer Erfahrung in der Vermittlung naturwissenschaftlichen Grundwissens in Schule, Kindergarten und Erwachsenenbildung.

Kita für geflüchtete Kinder statt Flüchtlingsheim

Der Schauspieler Til Schweiger hat mit seiner Stiftung eine Kita in Osnabrück mitfinanziert

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Nach Schwierigkeiten bei der Planung für den medial groß angekündigten Bau eines Flüchtlingsheimes und der letztendlichen Absage des Projektes musste der Schauspieler Til Schweiger einiges an Hohn und Spott einstecken. Nun konnte er in dieser Woche eine Kita in der Flüchtlingsaufnahmeeinrichtung in Osnabrück mit eröffnen, die die 2015 von ihm gegründete Stiftung Til Schweiger Foundation mit 500.000 Euro zur Hälfte finanziert hat. Man muss seine Filme oder ihn nicht mögen, doch die Arbeit, die er mit seiner Stiftung leistet, ist hoch anzuerkennen.

Der niedersächsische Innenminister Pistorius  gab bei der Eröffnung zu, dass er Schweigers Ankündigung,  sich für geflüchtete Menschen zu engagieren, für etwas naiv gehalten habe. Umso mehr lobte er jetzt den Schauspieler für seine Haltung und sein Engagement.

Dabei hätte der Minister nur auf die Seite der Stiftung gehen müssen, um zu sehen, dass Schweiger mit seiner Foundation bereits zahlreiche Projekte für Kinder und Jugendliche,  mit oder ohne Fluchterfahrung, auf den Weg gebracht hat. Seien es Hip-Hop-Kurse für Kinder und Jugendliche in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg, eine erlebnispädagogische Maßnahme im Rahmen des Sommerfestes des Jugendhilfeverbunds (JHV) Potsdam mit dem Motto „Wir gehören zusammen“ oder einen sozialpädagogischen Segeltörn auf der Ostsee. In Berlin-Wedding unterstützen über 40 Lehramtsstudenten rund 120 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund aus sozial schwachen Familien und auch in Hamburg bringt der Verein Schülerpaten Hamburg e. V. Studierende mit Schülern zusammen und vermittelt individuelle Bildungspatenschaften, alles mit Unterstützung der Stiftung.

kita_pistorius_schweiger_gayerfoto_-9220-2600x1800_cDie Til Schweiger  Foundation hat sich die Verbesserung der Chancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher jeglicher Herkunft und ihre Teilhabe an Bildung und sozialer Integration zum Ziel gesetzt.

Mitte letzten Jahres ursprünglich als Stiftung für traumatisierte Kinder geplant, haben  Schweiger  und sein Beirat auf die Realität einer drastisch steigenden Anzahl von Übergriffen auf Flüchtlingsheime reagiert und den Stiftungszweck geändert.

Auch in Osnabrück hat sich Til Schweiger klar gegen Anschläge auf Flüchtlingsheime und Populisten aller Art ausgesprochen, die alle geflüchteten Menschen am liebsten wieder zurückschicken wollen. „Natürlich wissen sie, dass das nicht geht“, sagte Schweiger und äußerte sich überzeugt: „Die Menschen, die hergekommen sind, die müssen wir integrieren, sonst schaffen wir das nächste große Problem“. Hut ab vor dieser klaren Haltung!

© Fotos: Nds. Ministerium für Inneres und Sport u. Landesaufnahmebehörde Niedersachsen

 

Online-Ratgeber: Sexualerziehung bei Kleinkindern

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Dies ist eine Empfehlung für einen Ratgeber zur Sexualerziehung, der schon einige Jahre alt ist (2009) und aus der Schweiz stammt. Dennoch ist er im Vergleich zu ähnlichen Publikationen in Deutschland, die sich ebenfalls frei herunterladen lassen, sehr detailliert und aktuell, besonders was die Zusammenhänge von Lebensalter und frühkindlicher Sexualität betrifft. Continue reading „Online-Ratgeber: Sexualerziehung bei Kleinkindern“

Reggio Bastelbuch I: Herr und Frau Baum

BASTELBUCH für die Hosentasche
Ein Büchlein, das Kinder ganz einfach selbst herstellen und weiter gestalten können! Ein Büchlein, das über Bäume erzählt und das zum Selberschreiben und Gestalten einlädt. Kinder können Neues entdecken und erforschen.

Bitte zunächst doppelseitig auf einem A4-Blatt ausdrucken. Dann nach der Vorlage in der PDF ausschneiden, falten und zusammenfügen. Weitere, weisse Seiten lassen sich hinzufügen, auf denen Kinder malen, Blätter oder Blütenblätter einkleben können und vieles mehr. Zum Binden geht auch ein Gummi!

Bei wamiki gibt es bald auch: Fräulein Gras & Onkel Kürbis!

PDF-ANLEITUNG -> DOWNLOAD

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DAS BUCH/DER INHALT ZUM AUSDRUCKEN UND BASTELN -> DOWNLOAD

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Haro Senft: Zurück in die Kindheit

Die Filme von Haro Senft sind für Kinder gemacht. Erwachsene lieben sie, weil sie den Abstieg in die verschüttete eigene Kindheit erlauben, in Träume und Erinnerungen.

The Best of: 8 Filme auf 2 DVDs inkl. Begleitheft sind jetzt bei wamiki erschienen. Für Aus-und Weiterbildung besonders geeignet!

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„Sonnentage“, „Mondtag“ und „Ein Tag mit dem Wind“… Eine Zeitreise von Jürgen Zimmer

Im Jahr 2003 veröffentlichte der entwicklungspsychologische Pionier Daniel Stern das Buch „Die Lebenserfahrung des Säuglings“ – eine kleine kopernikanische Wende. Ohne die Kinderfilme von Haro Senft zu kennen, wurde Stern gleichsam sein entwicklungspsychologischer Partner. Stern nahm quasi die Kamera, kletterte in einen Säugling und filmte – mit dem Blick des Säuglings – von innen nach außen: ein zunächst wirres, konturloses, unscharfes Ineinander von Farben und Bewegungen, eine geheimnisvolle Welt und ein rat- und tatenloses Kind? Nein, Sterns Kleinkind ist ein großer Experimentator. Es probiert und macht und wiederholt und variiert und lernt im Zick-Zack. Aber es lernt nicht nur, sondern verwandelt die nahe Welt, ist ein grenzenlos neugieriger Eroberer, nicht von außen, sondern von innen getrieben.

Weiter so? Nein. Denn nun treten die domestizierenden Erwachsenen auf und trimmen das Kind. Seine Entdeckungsfahrten enden in gesitteten Lernprogrammen. Der lange Marsch des Kindes durch die pädagogischen Institutionen beginnt.

Es ist noch nicht lange her, dass die Kindheitsforscher eine Eigenschaft bei Kindern diagnostizierten, die scheinbar neu, in Wahrheit wohl aber uralt ist: die Resilienz. Also die Widerstandskraft eines Kindes, die Fähigkeit, selbst abwegige Erziehungsversuche und Verhaltensweisen Erwachsener irgendwie zu überstehen. Das Kind als Entdecker, Experimentator, Guerillero und Geheimnisträger.

Damit sind wir beim Avantgardisten Haro Senft, dem Mann, der Daniel Stern 20 Jahre voraus war.

Haro Senft interpretierte den Situationsansatz filmisch, entwickelte den Kinderfilm in überzeugender Weise weiter und nahm Abschied von Papas Kinderkino.
Ein Beispiel:

 „Hinter dem Zaun“

Eine Szene auf einer freien Fläche in einer Vorstadtsiedlung Münchens: Ein Junge zwirbelt am Propeller seines gummigetriebenen Flugzeugs. Es steigt auf und landet hinter dem Zaun in einem Garten. Dort steht eine kleine Hütte, in der ein alter Mann werkelt. Das weiß der Junge aber noch nicht. Er weiß es weder in Wirklichkeit noch im Film, sondern sucht seinen Flieger und kommt in den Garten. Er sieht den alten Mann. Der sieht ihn auch. Der alte Mann bekam von Haro nur mitgeteilt, dass etwas geschehe und er sich darauf einlassen möge.

Beide – der alte Mann und der Junge – sind überrascht, und alles, was nun geschieht, steht in keinem Drehbuch, sondern entwickelt sich aus der Situation heraus. Den Jungen interessiert, was der Alte in seiner Hütte macht; es gibt viel zu sehen und anzufassen. Nachdem der Alte den Flieger mit einer Stange vom Baum heruntergeholt und repariert hat, wobei die beiden sich anzufreunden beginnen, kommt – im Film so unerwartet wie in der Wirklichkeit dieses Drehtags – ein Mann zu Besuch, ein alter Grantler, der den Jungen und seine Freunde zurechtweist und sich dafür rotzfreche Antworten einhandelt. Auch nicht zu erfinden ist die Szene, in der der Junge eine Walnuss knacken will. Weil er das nicht schafft, versucht es der Alte, kriegt die Nuss aber auch nicht auf.

„Hinter dem Zaun“, von Haro Senft 1974 als Kurzfilm gedreht, ist ein vergessener Klassiker des deutschen Films mit Kindern, für Kinder und für Erwachsene, die sich an den nicht vorfabrizierten Pointen des Geschehens erfreuen. Haro provoziert Situationen von Kindern und mit Kindern und spürt den Ereignissen nach, die sich daraus ergeben. Das schützt ihn vor gestelztem Laienschauspiel. Seine Personen dilettieren nicht nach Textvorgaben, sondern reden und handeln aus sich heraus.

 

 

PINA SCHAUKELT – Was kleine Kinder brauchen

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Als am 8. März diesen Jahres in der gut gefüllten Urania in Berlin der Abspann von „Pina schaukelt“ der Regisseurin Heide Breitel lief, setzte lang anhaltender Beifall ein.

Wir hatten hier mit vielen anderen gemeinsam etwas gesehen, was ich als ein Ereignis der besonderen Art bezeichnen will: 90 Minuten lang schauten mehrere hundert Erwachsene gebannt vier Kleinstkindern zu, und ab und zu auch ihren Erzieher_innen. In einem Film fast ohne Handlung. Und das war keine Minute langweilig.
Nein, das war so spannend, so erkenntnisreich und gleichzeitig so unterhaltend, dass wir wussten – diesen Film wollen wir in unser Verlagsprogramm aufnehmen! Den müssen viel mehr Menschen sehen, als es die wenigen Kinoaufführungen ermöglichen. Nicht nur alle Kita-Erzieher_innen, sondern auch alle Väter und Mütter in diesem Land. Eigentlich alle, die Verantwortung für die Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern tragen. Größenwahn? Sicher! Also warum?

Weil der Film einerseits die Lernfähigkeit, Entdeckerfreude und Gestaltungslust der anfänglich zehn Monate alten Protagonisten authentisch einfängt und sie achtzehn Monate lang auf ihrem Weg geduldig beobachtet und anteilnehmend begleitet. Und weil er gleichzeitig die gelungene Beziehung dieser Kinder mit ihren Erzieher_innen zeigt. Eine Beziehung, die von Aufmerksamkeit, Zugewandtheit und vor allem von tiefem, stabilen Vertrauen gekennzeichnet ist und jeden Tag wieder neu geknüpft wird. Ihnen, den Kindern und Erzieher_innen, dabei zuzusehen ist für mich das eigentliche Highlight des Filmes.

Der Neurobiologe Gerald Hüther, der im Produktionsprozess des Films beratend involviert war, beschreibt in seinem lesenswerten Beitrag zum Film diese besondere Rolle der Erzieher_innen: „Es ist nicht leicht, Kinder zu begleiten, ohne sie zu Objekten von Erwartungen, Bewertungen, Belehrungen oder irgendwelcher Fördermaßnahmen zu machen. Dazu bedarf es eben der besonderen inneren Einstellung oder Haltung der jeweiligen Bezugspersonen, mit der Voraussetzung, dass ein Kind kein Objekt ist, sondern als gestaltendes, lernfähiges und erkennendes Subjekt wahrzunehmen ist. (…) Der Film von Heide Breitel lässt erleben, (…) wie diese Entwicklungen möglich werden.“

Sehen Sie selbst! Hier geht es zum Trailer des Films. Der Film ist ab sofort in unserem Shop bestellbar (HIER)!